Die Wechseljahre beginnen meist zwischen Anfang 40 und Mitte 50 und können bis zu zehn Jahre dauern. Diese Lebensphase ist geprägt von hormonellen Veränderungen, die sowohl physische als auch
psychische Auswirkungen haben können. Bis zu 80 % der Frauen leiden unter Wechseljahresbeschwerden, wobei die Intensität und Art der Symptome individuell stark variieren.
Während die Familienplanung, Geburt und Behandlung/Versorgung von Kinderkrankheiten selbstverständlich in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen gehören, klafft bei der Menopause
eine riesige Versorgungslücke. Laut einer aktuellen bevölkerungsrepräsentativen GKV-Marktstudie fühlen sich ganze 91 % der gesetzlich versicherten Frauen im Alter von 30 bis 69 Jahren beim Thema
Wechseljahre unzureichend unterstützt. Für die Krankenkassen stellt dies einen deutlichen Weckruf dar, vorhandene Lücken in der Gesundheitsversorgung zu schließen. Die AOK PLUS selbst hat ca.
1.800.000 weibliche Versicherte. Über 455.000 davon befinden sich in der Altersgruppe zwischen 40 und 60 Jahren und sind somit potenziell in der Peri- oder Menopause-Phase. Mit Kooperationen und
dem Austausch mit Startups wie Femilog oder mimeno sowie der Bereitstellung von Informationen für Versicherte, hat die AOK PLUS bereits Einiges zum Thema Wechseljahre im Angebot. Gleichzeitig
bietet sich die große Chance, die Zufriedenheit und Bindung der aktuellen sowie zukünftigen weiblichen Mitglieder durch den Ausbau von gezielteren Angeboten für die Wechseljahre zu stärken.
Auch am Arbeitsplatz zeigt sich Handlungsbedarf: Frauen über 50 sind die am schnellsten wachsende Altersgruppe in der Erwerbsbevölkerung. Dennoch fehlen in vielen Unternehmen Maßnahmen im
betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM), die auf diese Zielgruppe zugeschnitten sind. Innerhalb der AOK PLUS spiegelt sich die Wichtigkeit des Themas wider: Mit einem Frauenanteil von 80 % und
einem Durchschnittsalter von 48,7 Jahren ist ein Großteil der Belegschaft selbst direkt betroffen. Neben bestehenden Regelungen wie Gleitzeit, Teilzeit oder der 3-Tage-AU ohne Attest (lt. TV) für
alle Beschäftigten benötigt es spezifischere Unterstützungsangebote für Frauen in den Wechseljahren.
Frauen wünschen sich für die Wechseljahre deutlich mehr Unterstützung von den Krankenkassen. Lt. o.g. Studie wäre sogar jede dritte Frau bereit, ihre Krankenkasse zu wechseln, um bessere
Unterstützung zu erhalten. Die überwiegende Mehrheit der Frauen ist sich keiner spezifischen Angebote ihrer Krankenkasse für diese Lebensphase bewusst. Selbst wenn einzelne Angebote der
Krankenkassen existieren, erreichen sie die weiblichen Versicherten oft nicht aufgrund unzureichender Kommunikation. Generell besteht ein erheblicher Mangel an grundlegender Aufklärung über die
Wechseljahre. Nur ein geringer Anteil der Frauen hat sich eingehend mit dem Thema auseinandergesetzt und fühlt sich angemessen vorbereitet. Besonders auffällig ist, dass etwa die Hälfte der
Frauen die verschiedenen Phasen der Menopause nicht kennt. Diese Wissenslücke führt dazu, dass viele typische Beschwerden nicht korrekt zugeordnet werden und potenzielle Behandlungsoptionen
ungenutzt bleiben, da die Wechseljahre als mögliche Ursache nicht in Betracht gezogen werden.
Am Arbeitsplatz selbst zeigt sich ein ähnlicher Bedarf. Frauen in den Wechseljahren berichten von verminderter Konzentrationsfähigkeit und einem erhöhtem Stresslevel. Diese Symptome können die
Arbeitsleistung und das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen. Die verfügbaren Unterstützungsmaßnahmen greifen oft zu kurz, da sie sich hauptsächlich auf physische Aspekte konzentrieren.
Vernachlässigt werden dabei die psychischen Symptome, die soziale Akzeptanz der Herausforderungen und die emotionalen Auswirkungen auf die Betroffenen. Diese Lücke in der ganzheitlichen
Betrachtung führt zu unzureichenden Analysen und folglich zu unvollständigen Handlungskonzepten.
Diese Situation verdeutlicht, dass es dringend innovative Lösungsansätze benötigt, um die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Frauen in den Wechseljahren zu fördern und ihre Bedürfnisse
ganzheitlich zu adressieren. Für die Krankenkassen ist nicht nur der Aufbau neuer Leistungen entscheidend, sondern auch eine verbesserte Kommunikation bestehender Angebote. Für die Arbeitgeber
kann die Entwicklung wechseljahresfreundlicher Arbeitsplätze die Produktivität und das Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen fördern.
Wie kann die AOK PLUS als Krankenkasse und auch als Arbeitgeberin Frauen in den Wechseljahren ganzheitlich unterstützen? Macht Euch für beide Fragestellungen Gedanken, wie die
Wirksamkeit/Zielgenauigkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen (mit angemessenem Ressourceneinsatz) nachgewiesen und validiert werden kann.
1. Entwickelt ein umfassendes Informationsökosystem, das weibliche Versicherte über Angebote und evidenzbasierte Informationen zu den Wechseljahren aufklärt. Identifiziert
dabei, wie Frauen in den Wechseljahren gezielt angesprochen und unterstützt werden können. Differenziert die Wünsche und Anforderungen nach Alterskohorten, Wechseljahresphasen (Prä-, Peri-,
Menopause, Postmenopause) und individuellen Präferenzen.
2. Entwickelt einen ganzheitlichen Ansatz zu den Wechseljahren am Arbeitsplatz, welches die physische, psychische und sozio-affektive Ebene einbezieht. Bildet entlang derer
Empfehlungen für BGM-Maßnahmen zur Unterstützung von Frauen in den Wechseljahren auf Makro- und Mikroebene (tiefer legen) sowie einen schrittweisen Umsetzungsprozess.
Wir benötigen Personen aus den Bereichen IT, Betriebliches Gesundheitsmanagement, kundennahen Bereichen, Versorgungsbereich sowie alle, die sich für das Thema Wechseljahre interessieren.